
WIAP & Die Werkzeugmaschinenindustrie im Wandel
Ein Bericht für die nächste Generation
Verfasst von Iris & Hanspeter Widmer
Inhaltsverzeichnis
1. Warum diese Geschichte zählt
2. Die Treuhandanstalt – Rolle und Wirkung
3. WIAP & WEMA Zerbst – Eine gelebte Partnerschaft
4. NSH Group – Ein Beispiel für gelungene Integration
5. HEID – Von Wien nach Safenwil, mit Portallader im Gepäck
6. Rothenberger – Temperament in Rot
7. WIAPs Vermächtnis – Klarheit, Charakter, Kontinuität
8. Bekannte Treuhand-Firmen im Niedergang
9. Ursachen für das Scheitern
10. Bezug zur Werkzeugmaschinenindustrie
11. Storebro Schweden – Viele Bäume, wenig Blondinen…
12. Der Schritt zur Eigenproduktion
13. Lehrlingsausbildung von Safenwil nach Vietnam
14. Schlusswort
15. Autorenhinweis
Kapitel 1: Warum diese Geschichte zählt
Die Wiedervereinigung Deutschlands war nicht nur ein politisches Ereignis, sondern ein wirtschaftlicher Umbruch.
Die Treuhandanstalt übernahm die Aufgabe, tausende volkseigene Betriebe der DDR zu privatisieren – darunter viele traditionsreiche Werkzeugmaschinenfirmen.
• WIAP war mittendrin: nicht als Zuschauerin, sondern als integrierte Partnerin und Gestalterin.
• Die Geschichte zeigt, wie Technik, Unternehmertum und Menschlichkeit zusammenwirken können.
• Sie ist ein Vermächtnis – für die Familie, für die Branche, für die nächste Generation.
Kapitel 2: Die Treuhandanstalt – Rolle und Wirkung
• Gegründet im März 1990
• Ziel: Privatisierung von rund 8'500 Betrieben mit über 4 Millionen Beschäftigten
• Methoden: Verkauf, Sanierung, Liquidation, Investorenvermittlung
• Kritik: Viele Betriebe wurden unter Wert verkauft oder „verschenkt“, oft mit dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze
• Folge: Nur ein kleiner Teil der Firmen überlebte in ihrer ursprünglichen Form
Kapitel 3: WIAP & WEMA Zerbst – Eine gelebte Partnerschaft
Frühe 1990er Jahre – eine Zeit ohne Internet, aber voller Begegnungen.
Ein Schweizer Vermittler brachte WIAP mit der ostdeutschen Werkzeugmaschinenfabrik WEMA Zerbst zusammen.
• WIAP verkaufte eine eigene Maschinenkonstruktion samt Zeichnungen für ca. 900'000 DM
• Mechaniker aus Zerbst kamen zur Ausbildung in die Schweiz
• WIAP unterstützte auch den Vertrieb für WEMA Zerbst in ausgewählten Märkten
• Gemeinsam entwickelte Maschinen wurden erfolgreich verkauft
• Eine Rückgabeklausel im Vertrag sicherte WIAP die Rechte an Konstruktion und Halbfabrikaten im Falle eines Eigentümerwechsels
• Diese Klausel wurde relevant, als die Treuhand WEMA Zerbst an EMAG verkaufte
• Mit dem Einstieg von EMAG endete die Partnerschaft abrupt – aber die menschliche Verbundenheit blieb, das sind echt so nette Leute da
Kapitel 4: NSH Group – Ein Beispiel für gelungene Integration
• Hans J. Naumann übernahm 1992 die NILES Drehmaschinen GmbH von der Treuhand
• 2001 kaufte er Hegenscheidt-MFD zurück und gründete die NSH Group
• Heute: weltweit aktiv mit 7 Produktionsstandorten – u. a. in Chemnitz, Erfurt und den USA
• WIAP bewundert die NSH, teilt die Leidenschaft für Präzision, Innovation und Verantwortung
• Ein Beispiel dafür, wie man mit Weitsicht und Haltung Firmen retten kann, zeigt die NSH Gruppe
Kapitel 5: HEID – Von Wien nach Safenwil, mit Portallader im Gepäck
Zur gleichen Zeit übernahm WIAP die Vertretung der Maschinenfabrik HEID AG in der Schweiz.
• Die CNC-Drehmaschinen von HEID waren komplex, präzise und heiss begehrt.
• WIAP kombinierte sie mit eigenen Portalladern – und machte mehrere Millionen Franken Umsatz in der Schweiz.
• Die Zusammenarbeit war technisch brillant und menschlich angenehm – bis Herr Rothenberger die Firma reorganisierte.
Kapitel 6: Rothenberger – Temperament in Rot
Auf einer Messe – vermutlich der EMO in Hannover – wurde es filmreif.
Am HEID-Stand stand eine S315-Maschine. Herr Rothenberger kam, sah, und… wurde rot. Nicht nur im Gesicht, sondern auch im Temperament.
• Er schnappte sich den Verkaufsleiter – kein Leichtgewicht – und drückte ihn an die Wand. Warum? Die Maschine stand „nicht gut“.
• Dann kam er zu mir, Iris, mit einer Einladung zum Abendanlass. Ich sagte höflich: „Ich frage meinen Mann.“ Schnell wurde ich wieder ausgeladen. So viel zum Charme.
WIAP trennte sich von HEID – klar, respektvoll, und mit Haltung.
Freundschaften blieben. Aber der Stil passte nicht mehr. WIAP entschied sich, noch viel mehr den eigenen Maschinenbau zu fördern, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
Kapitel 7: WIAPs Vermächtnis – Klarheit, Charakter, Kontinuität
Was bleibt?
• WIAP war nie nur Maschinenlieferant – sondern Brückenbauerin, Ausbilderin, Vertriebspartnerin, Chronistin.
• Wir haben erlebt, wie Firmen kamen und gingen – aber unsere Werte blieben.
• Auch wir haben ab und zu einen Kampf durchgemacht, also Maschinenbau ist kein leichtes Gebiet
• Wir haben entschieden, wo Vertrauen zählt – und wo man besser geht.
• Und heute, Jahrzehnte später, erzählen wir diese Geschichten – mit einem Augenzwinkern, einem klaren Blick, und einem Herzen, das nie die Verbindung zu den Menschen verloren hat.
Kapitel 8: Bekannte Treuhand-Firmen im Niedergang
VEB Robotron (Dresden)
– Zerschlagen in über 100 Einzelbetriebe, Know-how verloren
VEB Carl Zeiss Jena
– Aufteilung, Identitätsverlust, Jenoptik mit neuem Fokus
VEB WMW
– Dachmarke zerschlagen, einige Werke überlebten
VEB Fortschritt Landmaschinen
– Verkauf, Produktionsende, Marke verschwunden
VEB IFA
– Zerschlagung, Kultmarken wie Trabant nur noch als Sammlerstücke
Kapitel 9: Ursachen für das Scheitern
• Zeitdruck der Treuhand
• Investoreninteressen
• Strukturelle Schwächen
• Identitätsverlust
Kapitel 10: Bezug zur Werkzeugmaschinenindustrie
• Viele Betriebe hatten technisches Potenzial – aber keine Marktanbindung
• WIAPs Engagement mit WEMA Zerbst war eine gute und spannende Sache
• NSH Group als Beispiel für gelungene Rettung
Kapitel 11: Storebro Schweden – Viele Bäume, wenig Blondinen…
Storebro Machine aus dem gleichnamigen Ort in Småland, Südschweden, war eine der ersten Maschinenvertretungen, die WIAP Anfang der 1980er Jahre übernahm.
Die Firma baute solide, moderne Drehmaschinen – konventionell und CNC-gesteuert. Unser Ansprechpartner war ein Bayer, verheiratet mit einer Mitinhaberin von Storebro.
Auch hier entstanden freundschaftliche Beziehungen – und einige unvergessliche Episoden.
Damals war es üblich, mit potenziellen Kunden direkt ins Lieferwerk zu reisen. Die Besichtigungen waren oft mit einem besonderen Highlight verbunden:
einem Ausflug auf einer Luxusyacht, ebenfalls von Storebro gebaut.
Einmal drehte ein Kunde auf dem oberen Deck ahnungslos an einem Knopf – in der Hoffnung, Musik zu finden. Doch es war kein Radio, sondern der Autopilot.
Plötzlich steuerte das Schiff auf die Schären zu, der Kapitän verlor die Kontrolle, das Funkgerät funktionierte nicht.
Der Kunde meldete sich, leicht gerötet: „Ich habe da an einem Knopf gedreht…“
Der Kapitän stoppte den Autopilot – alles ging nochmals gut.
Ein anderer Kunde meinte enttäuscht:
„Hier hat’s ja nur Bäume. Ich dachte, in Schweden gibt’s so viele Blondinen – aber ich seh nur Wald…“
Es waren immer lustige, herzliche Reisen – mit Maschinen, Menschen und Momenten, die bleiben.
Kapitel 12: Der Schritt zur Eigenproduktion
Mit den Jahren wurde klar: Die ständigen Veränderungen bei unseren Vertretungen – WEMA Zerbst, HEID, STOREBRO – machten eine stabile Zusammenarbeit schwierig.
Also fällten wir einen mutigen Entschluss: WIAP investiert noch mehr in den Bau ihrer eigenen Maschinen.
Unser Rucksack war voll:
• Jahrzehnte an Umbauten, CNC-Lösungen und Automatisierungen
• Eigene Konstruktion – mechanisch wie elektrisch
• Ein eingespieltes Team mit Know-how und Haltung
Was folgte, war beeindruckend:
• Die grösste CNC-Drehmaschine, die je in der Schweiz gebaut wurde
• Vollautomatisierte CNC-Vertikal-Drehmaschinen
• Sondermaschinen – exakt nach Kundenwunsch konstruiert und gefertigt
• Und vieles mehr… alles einsehbar auf unserer Webseite
Kapitel 13: Ausbildung: Von Safenwil bis Vietnam
Alle drei unserer Kinder machten ihre Lehre bei WIAP – denselben technischen Beruf, dieselbe Werkstatt, dieselbe Haltung zur Arbeit.
Heute arbeiten beide Söhne weiterhin im Betrieb, und unsere Tochter ist auf Abruf bereit – auch sie bleibt der Technik treu.
Auch andere Lehrlinge haben bei uns ihren Abschluss geschafft – darauf sind wir stolz.
2010 entstand eine mutige Idee: Warum nicht eine Lehrlingswerkstatt in Vietnam aufbauen?
Etwa 40 km ausserhalb von Saigon, Richtung Dschungel, entstand ein Ort, an dem Schweizer Dualausbildung gelebt wurde.
• Gedacht, gemacht – mit viel Eigeninitiative und wenig Komfort
• In sieben Jahren bildeten wir rund 60 Lehrlinge aus
• Nach Schweizer Modell: Praxis, Theorie, Haltung
• Das Leben dort war nicht einfach – Klima, Sprache, Mentalität forderten uns heraus
• Aber wir haben es gemacht – und es war eine Erfahrung mit vielen eigenen Kapiteln
Wir gingen damals mit unseren beiden Söhnen nach Vietnam. Sie sollten die Ausbildner werden.
Doch das Leben dort – weit weg von der Zivilisation, mit einfachen Lebensumständen und grosser Umstellung – wurde ihnen zu viel.
Also beschlossen wir, dass die beiden zurück in die Schweiz gehen.
Wir blieben noch eine Weile im Ausbildungsbetrieb – und das war dann auch der eigentliche Start in Dulliken, wo wir heute sind.
Es muss auch festgehalten werden, dass Hans-Peter Widmer jahrelang in Angola tätig war – ebenfalls als Ausbildner.
Mit seinem Einsatz konnten wir das Projekt in Vietnam überhaupt finanzieren.
Denn wir haben alles ohne jegliche Unterstützung gemacht.
Kapitel 14: Schlusswort
Diese Geschichte zeigt:
• Wie Wandel durch Begegnung gelingt
• Wie WIAP Vertrauen und Wissen exportierte
• Wie Klarheit und Charakter Bestand haben
• Wie Erinnerungen zu Vermächtnissen werden
Kapitel 15: Autorenhinweis
Verfasst von Iris & Hanspeter
Widmer in Zusammenarbeit mit Microsoft Copilot.
Ziel des Berichts ist die historische Dokumentation einer bewegten Epoche der
Werkzeugmaschinenindustrie – nicht die Eigenwerbung.
Alle Angaben nach bestem Wissen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Für Hinweise
oder Ergänzungen kontaktieren Sie uns gern.